Trigger warning: Heavy content heute.

Aber auch wichtiger heavy content.

Vor bald vier Wochen ist in meinem Freundeskreis das Unfassbare geschehen: Das, was keiner von uns aushält, schon nur die Idee davon. Ein Kind ist gestorben. Mit 10 Jahren. Bei einem Autounfall.

Als ich die Nachricht erhielt – vier kurze Worte in einem WhatsApp-Chat, in dem sonst nur «Kafi am 9ni?» oder «Händ ihr no Skihosä in Grössi 164?» oder «Han di gern!» standen – habe ich sofort und körperlich reagiert: Fünf Minuten lang vornübergebeugt das*chan*nöd*sii*das*chan*nöd*sii*das*chan*nöd*sii sagen. Und mir dann direkt klar gemacht, dass meine Freundin, die eben diese Worte schreiben musste, das tausend-, nein millionenfache davon fühlt.

..

Dass es ist.

Die nächste, körperliche Reaktion: Ins Tram steigen. Heulend und rotzend die nächste enge Freundin anrufen, mitten in deren Arbeitsmorgen und die innert fünf Minuten am Bellevue wartet. Und dreissig Minuten später im Spital ankommen, wo bereits die dritte Freundin durch die Türen der Notaufnahme schreitet.

Erst fast sechs Tage später habe ich das erste Mal durchgeatmet und gemerkt, dass wir direkt eingestiegen sind in diese katastrophale Situation und bei niemandem wirklich nachgefragt haben, ob es richtig war, ob es nötig war. Ob es okay war.

Voll übergriffig.

Und voll richtig.

Ich glaube, fast alle Frauen ticken so. Wir handeln auf emotionaler Ebene reflexartig. Wir organisieren, was wir organisieren können. Wir übernehmen, was wir übernehmen können. Jede einzelne mit ihrem hoch spezifischen «Skill Set», welches sie nicht nur während ihres ganzen Lebens verfeinert, sondern die sie auch (besonders bei langjährigen Freundschaften) auch individuell dafür entwickeln kann.

Und so habe ich gemerkt, was eine Freundschaft – und explizit eine Freundschaft unter Frauen – wirklich ausmacht. Das Unausgesprochene so selbstverständlich ablesen zu können wie jeder laute Satz oder jede Textnachricht.

Eigentlich schlimm, dass mich dieser absolute, furchtbare Ausnahmezustand dazu bewegt hat, auch hier auf Hey Pretty das zu feiern, was in meinem Leben einen genauso hohen Stellenwert hat wie meine eigene Familie:

Meine Freundinnen.

Meine Freundinnen sind grossartig. Sie sind vielschichtig. Sie sind intelligent. Sie sind komplex. Sie sind lustig und nervig. Sie sind unheimlich talentiert – jede auf eine komplett andere Art.

Und sie sind für mich in meinem Alltag nicht bloss «nice to have», sondern überlebenswichtig.

Was mich dieses Ereignis gelehrt hat, ist dass man – wenn man gute Freundinnen hat – niemals alleine ist.

Man hält auch den richtig grossen, richtig schlimmen Shit im Leben aus, wenn Menschen da sind, die mittragen. Und die tragen mit genau der selben Selbstverständlichkeit mit, mit der sie dir auch in den Arsch treten, wenn du es nötig hast oder in deinem Tonfall ablesen, dass etwas vielleicht nicht ganz so toll ist, wie du jetzt tun willst. Und ja, die sich richtig und aufrichtig mit dir freuen, wenn dir wieder mal was richtig gut gelingt – ohne Vorbehalte und ohne Neid.

Yep, die Worte gelten natürlich genauso für deine Familie, die in solchen Situationen genauso (wenn nicht noch mehr) unverzichtbar ist. Aber deine Freundinnen sind die Familie, die du gewählt hast.

Ich kann meiner Freundin das Trauern nicht abnehmen. Aber ich kann ihr beim Aushalten helfen, genau so wie meine Freundinnen mir beim Aushalten helfen, und die Freundinnen meiner Freundinnen beim Aushalten helfen.

Für Liliane. Für Nina. Für Catherine. Für Vera. Für Britta. Für Andrea. Für Ina. Für Claudia. Für Nadia. Und Nadja. Für Sonja. Für Anna. Für Annina. Für Yonni. Für Tanja. Für Tina. Für Tamara. Für Daniela. Für Eveline. Für Susan. Für Fränzi. Für Bettina. Für Nicole. Für Anica. Für Alex. Für Melanie. Für Barbara. Für Vanessa. Für Katrin. Für Sara. Für Susana. Für Katharina. Für Vivi. Für Rebecca. Für Leila. Für Bianca. Für Caroline. Für Denisa. Für Elena. Für Sara. Für Inge. Für Christine. Für Irene. Für Jeanine. Für Miriam. Und Mirjam. Für Manuela. Für Käthi. Für Mireille. Für Valentina. Für Simone. Für Jaqueline.

Und für jede Freundin meiner Freundinnen, die auch bei ihr ebenso mitträgt. Dieses riesige, gloriose, weltumspannende Netz aus Frauen ist fucking grossartig. Und für alle – und alles – überlebenswichtig.

Feiert eure Freundinnen.

Eine Ode an Frauenfreundschaften: Hey Pretty Beauty Blog (Image: Unsplash, Vonecia Carlswell)
Image Credit: Vonecia Carlswell, via Unsplash

P.S.: Etwas, was ich in dieser ganzen Situation auch noch gelernt habe? Stirbt jemand in deinem Freundeskreis (oder auch in deinem erweiterten Freundeskreis) und du fragst dich, ob du dein Beileid aussprechen darfst oder sollst…

…die Antwortet lautet immer «ja».

Tu’s einfach. Bleib nicht sitzen. Steh auf.

P.P.S.: Ich habe diesen Text zuerst meiner Freundin geschickt mit dem Vermerk, dass er nicht publiziert werden muss, dass ich ihn einfach schreiben musste, um auch für mich mit dem Geschehenen klarzukommen. Sie möchte, dass ich ihn live schalte. «Hau use!», genau gesagt. Voilà.

P.P.P.S: Am Montag wirds wieder lustig hier, ich schwörs. Das gehört nämlich krass zu meinem Skill Set.

21 KOMMENTARE

  1. Harter Tubak aber das ist Life und genau dann merkst du wer wirklich wichtig ist, viel Kraft deiner Freundin in dieser schweren Zeit und danke für den Blog, werde gleich meiner BFF eine liebe Nachricht senden. Natasha

  2. So wahr, so schön, so wichtig! Ich bin auch grad am trauern und es stimmt: ohne Freundinnen ginge gar nichts mehr. Fühl dich fest umarmt, Miriam 💝

  3. Mitten ins Herz. Da hatte ich schon am Morgen Pipi in den Augen, mir gedacht wie schön es doch ist dich zu kennen. Love and Kisses.

  4. Berührend, wunderschön. Danke. Denke fest an Dich!
    Habe kürzlich was schönes gelesen. Ein betagter Mann war kürzlich verwitwet und sass weinend im Garten. Da ging der Nachbarsjunge rüber und hat seine Hand gehalten. Als er Nachhause kam, fragte seine Mutter, was er zu dem Mann gesagt hatte. Er meinte: „Nichts. Ich habe ihm nur beim Weinen geholfen.“

  5. Ganz Big Löv an di, dini Fründinne und natürlig au an die betroffeni Familie. Ich hogg do und hüül wills unendlig schrecklig isch und di text aber au unendlig schön…<3

  6. Liebe Steffi, bin tief bewegt über deine Gedanken/Worte. Ich danke dir zudem für deine Stellungsnahme und die Aufforderung, dass man nie zögern darf sein Beileid auszusprechen. Ich drück dich allerliebst, Claudia

  7. Danke Steffi für deine Worte und deinen Mut, diese zu teilen.
    Für dein bedingungsloses, promptes Dasein für die betroffene Familie,
    ohne Wenn und Aber.

    Das hat mich tief berührt.
    ♥️ eveline

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